Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Johannesevangelium 10,11
Aus der Festschrift zum 75jährigen Jubliäum (1971):

Kurze Geschichte des Posaunenchores der ev.-luth. Kreuzgemeinde in Witten

Von Walter Hollmann


1946 - unsere Stadt liegt noch zu 80% in Trümmern des Krieges. Auch unsere Kirche und alle Nebenräume sind zerstört. Eben ist der Gottesdienst unserer Wittener Kreuzgemeinde zu Ende gegangen. Er findet behelfsmäßig in der Aula der wiederhergestellten Breddeschule statt. Zwei Vorsteher gehen gemeinsam den Heimweg. Da hören sie aus der Richtung des Schillerlyzeums Posaunenklänge - die alten wohlvertrauten Weisen des Kuhlo-Posaunenbuches. Den beiden Heimgehenden geht das Herz auf.

"Sollte das bei uns nicht mehr möglich sein?" Die Frage kommt beiden, und aus der Frage wird ein Entschluss. Es geht auf die Suche nach Instrumenten, denn abgesehen von einem Tenorhorn, das zudem von herabgestürzten Zimmerdecken vollständig verbeult hervorgeholt werden konnte, ist kein Instrument mehr vorhanden, alle sind im Bombenkrieg zerstört. Bald wurde ein Tenorhorn und ein Bassinstrument ausfindig gemacht, an anderer Stelle konnte eine Trompete erworben werden, auf ein Rundschreiben an unsere ländlichen Chöre wurde uns dankenswerter Weise ein Flügelhorn zur Verfügung gestellt, andere Chöre konnten die noch nicht käuflich zu erwerbenden Posaunenbücher bereitstellen.

Die Instrumente wurden zur Reparatur einer Hagener Firma übergeben, und bald war der Tag da, da konnte eine erste Zusammenkunft bei einem der Posaunenfreunde stattfinden. Leider konnte nicht, wie wohl alle Beteiligten gewünscht hatten, nun eine sofortige Übung eines Chores beginnen, denn nicht alle stellten sich zur Verfügung, die noch von dem Chor der Vorkriegszeit in Witten waren. Außerdem war ein Teil der Freunde im Krieg gefallen. Junge Kräfte wurden herangebildet, und dann kam doch die Zeit, da ein kleiner Posaunenchor zum erstem Mal am Erntedankfest der Gemeinde zum Lobe Gottes dienen konnte. Das war der Wiederbeginn des Posaunenblasens in Witten.

Aber weit älter ist die Geschichte des Posaunenchors. Er war früher eine Abteilung des Jünglings- und Männervereins "Wittenberg". Aus ihm kamen regelmäßig junge Nachwuchskräfte hinzu, so dass neben einem festen Stamm immer wieder Lücken gefüllt werden konnten, die nun einmal immer wieder in einem Posaunenchor auftreten. Die älteren Freunde entsinnen sich eines im früheren Jünglingssaal hängenden Bildes des Jünglings- und Männervereins. Auf ihm war ein stattlicher Posaunenchor und als Leiter des Vereins ein in Witten bekannter landeskirchlicher Pastor zu sehen.

Das war zur Zeit vor 1896, denn in diesem Jahre wurde unsere Wittener Gemeinde gegründet. Der gesamte Jünglings- und Männerverein trat mit in die lutherische Gemeinde über und mit ihm der gesamte Posaunenchor. Das Gründungsjahr liegt mithin zusammen mit dem der Ev. luth. Kreuzgemeinde in Witten. Ein reges Leben entwickelte sich neben dem Jünglings und Männerverein Wittenberg auch im Posaunenchor, der Abteilung dieses Vereins. Regelmäßige Übungsstunden, dienstags und freitags, desgleichen auch regelmäßiges Blasen in den monatlichen Hauptversammlungen des Vereins waren nur zu natürlich. Selbstverständlich sah der Posaunenchor seine Hauptaufgabe in dem kirchlichen Leben der Gemeinde. Vor den Festgottesdiensten, hoch oben auf der runden Plattform des dreieinhalbstöckigen Pfarrhauses erklangen, weit in die Stadt hineingetragen die Choralsätze, wie wir sie 1946 wieder vor dem Lyzeum hörten und riefen statt der Glocken die Gemeindeglieder zum Gottesdienst. In ihm stimmten auch die Posaunen zum Lobe Gottes ein.

Der Chor hatte auch noch andere Aufgaben bei Gliedern der Gemeinde zu erfüllen, wenn besonderer Anlass vorlag. Das war zugleich ein Missionsdienst, der gewiss nicht ohne Gottes Segen geblieben ist. Der 2. Weltkrieg brauchte dann mit seinen Zerstörungen ein vorläufiges Ende des Posaunenchores. Aber neue Aufgaben sind unserm kleinen Chor gegeben. Seit der Wiedererstehung des Chores sind schon wieder Zeiten der Blüte und des Niedergangs vergangen. Es muss immer wieder aufgebaut werden. Dazu kommt, dass ein Leiter des Chors, der sich mit ganzem Eifer dieser Aufgabe widmen kann, kaum zu haben ist. Was können wir den Mitgliedern besser wünschen, als dass sie einmal fest durchdrungen sind von der hohen und schönen Aufgabe: zum Lobe Gottes ihre Gaben einzusetzen, Ihm zu dienen mit den hehren Stimmen der Posaunen, dann aber auch, dass sich ein Bläser bereitfinden möge, sich der Aufgabe des Leiters zu widmen.

Der Posaunenchor ist jetzt nicht mehr die Abteilung eines Vereins, sondern der Posaunenchor der Gemeinde, die ihren Chor sicherlich stützen wird. Sollte es nicht möglich sein, dass sich aus den Reihen der jungen Männer der Gemeinde soviele finden, die bereit sind, diesen Dienst mit Freudigkeit zu tun? Gott der Herr erwecke auch hier willige Kräfte.