„Seid barmherzig“

„Sei doch mal spontan!“ „Freu dich doch!“ „Lach doch mal!“ – Würde ich ja gerne, aber ich kann nicht zaubern?

Auch die Jahreslosung 2021 fordert auf: „Seid barmherzig!“ Ja, unbedingt! Einander mitfühlend begegnen; zurückhaltend und zuvorkommend sein! Das fällt uns gelegentlich schwer.

Im ursprünglichen Text der Losung steht: „Werdet barmherzig!“ Bemüht euch wenigstens! Das kann anstrengend sein, kann uns aber auch mehr oder weniger gelingen! Darum: „Werdet barmherzig.“

Gewiss, Gott begegnet uns Menschen „barmherzig,“ liebevoll, warmherzig und bedingungslos. Das mag uns motivieren, selbst auch barmherzig mit anderen umzugehen: „Werdet barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Was „barmherzig“ bedeuten kann, lesen wir ein paar Zeilen später: „Richtet nicht!“ „Verdammt nicht!“ „Vergebt euch gegenseitig!“

Wer selbst von Gott freigesprochen wurde, muss andere nicht mehr richten. Wer selbst erlöst ist, muss niemanden mehr verdammen. Wer selbst Vergebung erlebt hat, kann anderen auch vergeben, über Fehler hinwegsehen, ohne sie auszuschlachten.

Auch diese Corona-Zeiten fordern uns zunehmend, „barmherzig“ miteinander zu sein. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie schränken Freiheiten ein und unterbinden Kontakte. Sie verärgern und machen Menschen einsam. Die Einschränkungen sind vielfältig, werden in diesen Tagen verschärft und tun je länger je mehr weh.

Und doch sollten wir „barmherzig“ bleiben mit denen, die diese Maßnahmen beschließen und durchsetzen; aber auch mit denen, die der Kontaktbeschränkungen wegen, ihre Kräfte zunehmend schwinden sehen. Diese Pandemie lässt sich bisher kaum anders in die Schranken weisen.

Darum lasst uns gemeinsam offen und verantwortungsvoll einander unterstützen: „Werdet barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“