Gedanken zur Jahreslosung 2022

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Johannesevangelium, Kapitel 6 Vers 39

Frohes Neues! Viel Glück! Alles Gute! Happy new year! Erfolgreiches neues Jahr! – Was haben wir uns gestern nicht so alles gegenseitig gewünscht zum neuen Jahr. In jeden Fall war es immer etwas Gutes. Zu jedem neuen Jahr wünschen wir uns und unseren Lieben nur Gutes! Glück, Erfolg, Gesundheit, Frieden. Und wissen doch ganz genau, dass trotz bester Wünsche genau das auch geschehen kann: Unglück, Scheitern, Krankheit, Verlust, Schwäche und Tod.

Wäre es vielleicht angemessener, das in unsere Wünsche mit einzubeziehen? Vielleicht so: Ich wünsche dir, sollte dich ein Unglück treffen, dass du es genauso aus Gottes Hand annehmen lernst wie das Glück. Oder so: Sollte dich eine Krankheit umhauen, dann wünsche ich dir, dass du sie nicht alleine durchstehen musst, sondern Menschen an deiner Seite sind, die dich liebevoll pflegen und dich unterstützen. Oder vielleicht so: Ich wünsche dir, solltest du auf die Nase fallen, dass du niemals den Eindruck hast, du wärest wertlos oder ungeliebt. Möglicherweise sogar so: Sollte es tatsächlich Gottes Wille sein, dass dieses Jahr dein letztes sein wird, dann wünsche ich dir, dass du getrost gehen kannst, weil jemand deine Hand hält und du auch weist, wohin dich dein Weg führt.

Und wenn ich einen Wunsch hätte, der das alles zusammenfasst, dann lautet er in etwa so: Ich wünsche dir, dass du dich immer, egal in welcher Situation, unbedingt und vorbehaltlos von Gott angenommen weißt. So wie Jesus es in der diesjährigen Jahreslosung sagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Wer auch immer du bist, was auch immer du erlebt hast, was auch immer dich bedrückt oder belastet, verunsichert oder nicht mehr ruhig schlafen lässt – damit kannst du ihm kommen, und du wirst nicht abgewiesen. – Wie hörst du diese Worte von Jesus?

Möglicherweise hast du dich ja schon länger nicht mehr bei Jesus gemeldet. Hast mit den alltäglichen Herausforderungen gekämpft und gar keine Verbindung gefunden zwischen deinem Alltag und Gott? Dann denk an den verlorenen Sohn. Der hat auch für eine Zeit die Verbindung zu Gott verloren. Als er endlich zurückfindet, freut sich Gott wie Bolle darüber und schließt ihn in seine liebenden Arme.

Vielleicht schleppst du eine unbewältigte Vergangenheit mit dir ins neue Jahr, die dich belastet und dich nicht mehr so richtig unbeschwert sein lässt. Dann bedenke: es gibt keinen Heiligen ohne Vergangenheit und keinen Sünder ohne Zukunft. Du musst ja nicht bleiben, wie du bist. Mit Gottes Hilfe ist Veränderung möglich. Aber du kannst zu ihm kommen, wie du bist. Und wirst nicht abgewiesen!

Oder hat dein Glaube im vergangenen Jahr gelitten? Da war ja so manches, dass einen ins Grübeln und Zweifeln kommen lassen kann. Die vielen Katastrophen weltweit wie die kleinen Katastrophen vielleicht auch in deinem Leben. Dann lass dir gesagt sein: du musst nicht erst einen Glaubenstest bestehen, damit er dich in seine Nähe lässt. Seine Tür steht dir offen und gerade in deiner Schwäche will er dich aufrichten und dir helfen.

Gehörst du zu den Stillen im Lande? Zu denen, die sich klein, unbedeutend, unwichtig vorkommen? Die sich gar nicht vorstellen können, dass sie von irgendwem wertgeachtet werden, weil ständig auf ihnen herumgetrampelt wird?

Dann höre: ER stößt dich nicht weg. Er sieht dich an, du bist für ihn ansehnlich! Er sieht in dir nicht das, was du von dir denkst. Er sieht in dir das, was du bist, nämlich sein geliebtes Kind! Auch dir gilt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

„Du hast hier nichts zu suchen!“ „Du kommst hier nicht rein!“ Du bliebst gefälligst draußen!“ – Mit solchen Worten abgewiesen zu werden tut weh. Wer das als Kind oder als Jugendliche zu oft hört, dem kann es das ganze Leben ruinieren. Jesus dagegen sagt: Wenn du zu mir kommst, dann ist meine Tür offen für dich. Es lohnt, das im Johannesevangelium, Kapitel 6 nachzulesen. Gerade noch hat er die 5000 am See von Tiberias wunderbar gesättigt. Manchen ist das nicht genug. Sie wollen es wissen:

Wer bist du. “Ich bin das Brot des Lebens“, sagt er ihnen. Ich stille den Hunger der Seele nach Sinn und erfülltem Leben, den Hunger nach mehr als nur der Befriedigung der materiellen Bedürfnisse. Und wer mit dieser Sehnsucht zu mir kommt, den werde ich ganz sicher nicht abweisen!

Ich wünsche uns, dass wir neue Wege zu ihm hin finden. Nach zwei anstrengenden und oft auch verstörenden Corona-Jahren braucht unsere Seele Nahrung, die sich längst bewährt hat. Wir brauchen Orientierung durch ihn, der nicht nur für uns offen ist, so dass wir immer zu ihm kommen könne. Sondern der sogar auf uns zukommt und uns sucht. Den wir in der Gemeinschaft mit anderen Glaubenden erleben. Der sich uns durch seine Worte mitteilt. Der sich uns im Abendmahl schenkt. Was auch immer das neue Jahr für uns bereit hält, Gutes wie Herausforderndes, Angenehmes wie Verstörendes: ich wünsche uns, dass wir bei dem Geborgenheit finden, der uns niemals abweisen wird.

Amen.