Gerechtigkeit gibt es nicht zum Nulltarif!

Danach erläuterte P.i.R. Dietrich Weinbrenner in seinem Vortrag, dass die Globalisierung es ermögliche, Menschen in ihrem eigenen Land zu versklaven, indem sie zu menschenunwürdigen Bedingungen gezwungen wären, Textilien herzustellen. Dabei verpesteten Tausende von Chemikalien die Umwelt und zerstörten die Gesundheit der Arbeiter*innen. An Beispielen aus Bangladesh, Indonesien und Sri Lanka erläuterte der Beauftragte für faire Textilien der VEM und der Ev. Kirche von Westfalen, dass die Menschen zu Hungerlöhnen arbeiteten und eine Familie nicht ernähren könnten. Auch Kinder arbeiteten häufig mit, z.B. in Heimarbeit. Für ein T-Shirt, das hier für 3,00 € verkauft wird, erhielte die Näherin weniger als 1 Cent. Er erinnerte daran, dass gerechte Entlohnung und gesundheitliche Unversehrtheit Menschenrechte seien, die hier massiv missachtet würden.

Unser aller Konsum ermögliche diese Praktiken, für die die großen Textilkonzerne kaum Verantwortung übernähmen. ‚Fast Fashion‘ mit mehr als zwölf neuen Kollektionen im Jahr erhöhte vielmehr noch den Druck auf die Hersteller in den ärmeren Ländern, noch mehr noch schneller zu produzieren. Kaum zu glauben, dass jeder Deutsche mehr als 60 Textilien im Jahr kaufe, von denen manche sogar nie getragen würden!

Diese Erläuterungen hinterließen ein Gefühl der Betroffenheit und Hilflosigkeit bei den Zuhörenden, dem P. Weinbrenner entgegensetzte, dass die einzelnen durchaus aktiv werden könnten, damit diese Missstände beendet werden könnten. Folgende Gedanken sollten jede Kaufentscheidung beeinflussen: Brauche ich tatsächlich etwas Neues? Wie wichtig ist Mode für mich? Kann ich das Teil auch Second Hand erwerben? Gibt es das Teil auch fair und ökologisch verantwortlich produziert, ist jedoch langlebiger? Kann ich Aktionen von Nicht-Regierungs-Organisationen unterstützen, die z.B. die Übernahme des europäischen Lieferkettengesetzes fordern, damit Handel fairer und nachhaltiger wird? Auch mache es schon etwas aus, die Herkunft eines Kleidungsstücks beim Kauf zu hinterfragen, ob faire Löhne gezahlt würden, Kinder beteiligt wären o.ä.  

In der Mittagspause hielt Marlies Langenfeld für die Teilnehmenden eine leckere Suppe bereit. Gleichzeitig fanden die Infostände zum Thema viel Beachtung, ebenso wie der Büchertisch der Kreuzgemeinde und der Stand des Weltladens Witten. Viel Spaß machte das Anprobieren von Kleidung aus der Second Hand – Tauschbörse, die Julia Steffen eingerichtet hatte.

Am Nachmittag konnte Bärbel Hein den Leiter des Wirtschaftsbetriebs und Zentraleinkaufs der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen, Gerhard Bröker begrüßen. Er erläuterte, wie wichtig ihm in dieser Funktion die soziale und ökologische Verantwortung ist. Für 143 Einrichtungen ökologisch und fair zu bestellen, das mache schon einen Unterschied. So werde nach und nach auf fair produzierte Arbeitskleidung für Mitarbeitende, z.B. bei den Beschäftigten im Garten- und Landschaftsbau, den Hauswirtschaftskräften und seit Neuestem auch im gesamten Pflegebereich umgestellt. So wären bei ihnen mehr als 1.500 Kleidungsstücke aus fair gehandelter Bio-Baumwolle bereits im Einsatz. Die Teilnehmenden an der Gesprächsrunde nahmen das mit Staunen zur Kenntnis und es entspann sich eine angeregte Diskussion. Wäre das auch im eigenen Umfeld eine Option?

Währenddessen leitete Rita Jacob eine Reihe von Interessierten an, im Textil – Recycling Workshop neue Kleidungsstücke oder Gebrauchsgegenstände wie z.B. Blumenampeln oder Körbchen aus alten T-Shirts herzustellen. Die Ergebnisse konnten sich wirklich sehen lassen!

Mit leckeren Kuchen wurden alle zuletzt von Monique Schüler verwöhnt, die auf diese Weise Spenden für ihr Herzensprojekt, das Familiencafé Krümelreich in Witten, sammelte.

Mit einem herzlichen Dank an alle Mitwirkenden und Gäste beschloss Bärbel Hein den Tag und gab allen einen Reisesegen mit auf den Weg.

Norgard Steffen und Bärbel Hein